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Weser Kurier Freitag, den 7.7.2000

Theater-Wagnis fast gelungen
AG der Realschule führte Brecht auf

Von unserem Mitarbeiter
Georg Jauken

Ganderkesee.
Ein kontrastreiches Programm war den Besuchern der Theateraufführung “Furcht und Elend des Dritten Reichs” am Mittwochabend in der Aula des Schulzentrums versprochen worden. Die Theater-AG der Realschule hatte die von Bertolt Brecht im dänischen Exil gesammelten und zu Theaterszenen verarbeiteten Augenzeugenberichte und Zeitungsnotizen düsterer Begebenheiten inszeniert und in den Umbaupausen immer wieder die fröhllichen Schlager der damals populären Comedian Harmonists eingespielt,.So sollte die Inszenierung den Zwiespalt zwischen realem Alltag der Jahre 1935 bis 1938 und der Gute - Laune - Propaganda des Dritten
ImageIn der Szene “Das Kreidekreuz” wurde am deutlichsten, wie der nationalsozialistische Geist nach 1933 unablässig in die Privatsphäre eindrang. gi/Foto: Ingo Möllers
Reiches deutlich machen - was auch gelang. An neun ausgewählten Beispielen riefen die Schülerinnen - und ein Schüler - den Alltag in Erinnerung, in dem der “völkische Geist” nicht nur die unmenschlichen Arbeits- und Gefangenenlager beherrschte. Die Szenen zeigten auch deutlich, wie sehr die nationalsozialistische Gesinnung unablässig in die privateste Sphäre der Familien eindrang, Keile zwischen Mütter und Töchter trieb (“Die schwarzen Schuhe”) und Freundschaften in zynischen Machtspielchen verkehrte (“Das Kreidekreuz”). Zwei Beispiele: Eine Tochter (Jasmin Logemann) bringt ihre verarmte Mutter um ihre letzten Pfennige, um die Mitgliedschaft im “Bund Deutscher Mädchen” (BDM) bezahlen zu können. Ein Dienstmädchen (Julia Linkenbach) erkennt ihren zum SA-Mann gewandeten Verlobten kaum wieder. “Er hat sich so verändert”, schließt sie ihr Gespräch mit der Köchin (Maren Bonke) resigniert. Nicht zum Guten, sagt ihr Gesichtsausdruck. Brechts Bilder zeigen, was der Titel verspricht: Furcht und Elend sind eingekehrt im deutschen Alltag. Dass sich das Publikum in der voll besetzten Aula dennoch ganz gut unterhielt, war wohl vor allem der unfreiwilligen Komik geschuldet, die die Besetzungsliste auslöste. Ein Mädchen im Teenager-Alter (Christina Dasenbrock) als “scharfer” Wachmann im Konzentrationslager hat eben nicht ganz die Überzeugungskraft, die eine solche Rolle erfordert hätte.
 
Delmenhorster Kreisblatt
Donnerstag, den 6.7.2000

Alltägliches aus Nazi-Deutschland
Theater-AG der Realschule Ganderkesee spürt dem Zeitgeist des Hitler-Regimes nach

fil Ganderkesee. Als sie das Stück vor rund einem Jahr erstmals vorgeschlagen habe, sei die Theatergruppe skeptisch gewesen, erinnert sich die Leiterin
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Szene aus dem deutschen Alltag vor sechzig Jahren (v.l.): Julia Linkenbach und Michaela Niemann in “Das Kreidekreuz” Foto: Schilling
der Theater-AG der Realschule Ganderkesee, Irmgard Gerken. Wohl zu recht, denn die Brechtsche Szenenfolge “Furcht und Elend des Dritten Reiches” ist ein selbst für Profis schon vom Umfang her schwer zu bewältigender Stoff. Doch schließlich lockte die Aussicht auf eine Hauptrolle, von denen es immerhin neun in ebenso vielen Szuenen gibt. Darin geht es um den Alltag im Nazi-Deutschland, und dass dieses Thema die jungen Leute durchaus nicht kalt lässt, stellten die zwölf Akteure gestern in zwei Vorstellungen - einer internen am Vormittag und einer öffentlichen abends - unter Beweis. Was wiederum das Publikum überzeugte, das mit Beifall nicht sparte. Brechts Szenenfolge stellt keine fortlaufende Handlung, keine dramatische Entwicklung dar, sondern zeigt die Auswirkungen eines widersinnigen, unerträglichen Zwangs auf den Alltag der Menschen in Nazi-Deutschland. “Die Schüler mussten sich in die Rollen hineindenken und die Umstände erkennen, die einen Menschen schuldig werden lassen”, sagt Gerken. Auf diese Weise werde das Bewußtsein geschärft für heutige Gefahren. Im “Kreidekreuz” wird deutlich, wie sich Regime-Gegner von einem SA-Mann aus der Reserve locken lassen, um dann ans Messer geliefert zu werden, in die “Physiker” wird gezeigt, wie Wissenschaftler sich dem ideologischen Druck beugen und Einstein verhöhnen, und in “die jüdische Frau” wird vorgeführt, wie ein Mensch sich aus Angst vor den Häschern verstellen muss.  Trotz über einstündiger Spieldauer zeigten die Akteure erstaunliche Textsicherheit und erfrischendes Engagement im Vortrag. Bertold Brecht hatte die Szenen übrigens nicht erfunden: Er sammelte und sichtete sie von 1935 bis 1938 im dänischen Exil aus Augenzeugenberichten und Zeitungsnotizen.

Nord West Zeitung
Freitag, den 7.7.2000
Theater-AG nimmt Herausfordrung an
Schüler spielen vor vollen Zuschauerrängen

kk Ganderkesee. Schwere Kost tischte die Theater-AG der Ganderkeseer Realschule am Mittwoch auf. In zwei Aufführungen zeigte sie mit Bertolt Brechts “Furcht und Elend des Dritten Reiches” widersinnige und auch bedrückende Zwänge auf, unter denen in Deutschland nach 1933 gelebt wurde. Die Jugendlichen hatten sich von den 24 Szenen des Stückes neun herausgesucht. So schilderten sie in “Der Spitzel” die Ängste eines Ehepaares (gespielt von Dennis Stolle und Christina Dasenbrock),
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Dennis Stolle (l.) und Christina Dasenbrock (r.) spielten die Hauptrollen in der Szene “DerSpitzel”. Bild: Kolloge 
vom eigenen Sohn ausgehorcht und angezeigt zu werden. Oder sie beschrieben in “Die jüdische Frau” (gespielt von Maren Bonke), die vor der Flucht steht und darüber nicht offen sprechen kann. Der Brecht-Stoff, so Theater-AG-Leiterin Irmgard Gerken, sei zweifelsfrei das “bisher schwierigste Stück” in der Reihe der jährlichen Aufführungen der AG gewesen - für die mitwirkenden Jugendlichen “sicherlich eine Herausforerung”. Mit dem Stück habe man angeknüpft an Themen, die zuvor im Deutsch-Unterricht, aber auch in Geschichte und Politik behandelt worden seien. Ein Lohn für den großen Einsatz der jungen Darsteller war die große Resonanz auf die Vorstellungen. Vormittags wurde vor (vielleicht zu ) jungem Publikum gespielt. Abends drängten sich dann rund 300 meist erwachsenen Zuschauer in der Pausenhalle, um das Stück zu sehen. Sie spendeten lang anhaltenden Beifall.

Nazi-Alltag Ganderkesee.
Neun Szenen aus einem Brecht-Stück zum Alltag im Nazi-Deutschland haben Ganderkeseer Realschüler geprobt. Gestern war Aufführung.
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Ich will zurück
Jonathan G. 23. Januar 2006

Alle die abgehen
sagen das Gleiche,
Schule ist blöde,
Aber doch war's 'ne Weiche,

Man durfte nicht rauchen,
auch das ist passee,
doch mich zu verstecken,
dass tat mir nie weh,

ich würd gern zurück
auf die RSG,
denn die Lehrer war'n korrekt,
sowie ich das seh,

Wir hatten viel Spaß,
es war 'ne geile Zeit,
und das sie vorbei ist,
tut mir irgendwie leid,

Der Unterricht war leicht,
nagut nicht immer,
doch sage ich euch,
jetzt ist es viel schlimmer!

doch das zu verstehen,
da braucht es viel Zeit,
die Monate verwehen,
es packt einem der Neid,

Man will zurück,
nur für einen Tag,
man erkennt, welches Glück,
in der Vergangenheit lag ...


 

 
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